Donnerstag, 10. Oktober 2013

Neues aus der Krippe, Altes aus Irland & Besuch aus der Heimat


Hallo ihr Lieben,

es ist mal wieder Zeit für einen neuen Eintrag.

In der Krippe geht momentan alles so seinen Lauf und es gab in den letzten Tagen viele interessante Pausengespräche, vor allem mit Pauline, der Leitung der Einrichtung. Sie hat mir so zum Beispiel von ihrer Schulzeit erzählt, die sehr schrecklich war und so kamen wir grundsätzlich auf das Thema „katholisches Irland“. Im Reiseführer stand, man sollte mit Iren besser nicht über Religion sprechen, da der katholische Glaube überall sehr stark verankert ist und es ja lange und immer noch Auseinandersetzungen unter Katholiken und Protestanten gab. Daher hatte ich ehrlich gesagt bevor ich hierhin gekommen bin sogar etwas Sorge, dass es nicht gut angesehen sein wird, wenn ich in der Krippe zugeben muss, nicht getauft zu sein, da ich mir die Erziehung auch sehr religiös vorgestellt hatte. Pauline erzählte dann davon, dass zu ihrer Schulzeit alle Schulen in katholischer Hand waren und es kaum Lehrer gab, sondern sie von Nonnen oder Priestern unterrichtet wurden, die für Schläge und Demütigungen an den Kindern bekannt waren. Sie selbst hat Prügelstrafen und Demütigungen erlebt, z.B. dafür dass sie nicht singen konnte und sie hat mitbekommen, wie dreijährige Kinder geschlagen wurden, weil sie sich eingenässt haben oder ein anderes Kind lange in einem Zimmer eingesperrt wurde und und und… Und sie sagt, in ihrer Elterngeneration war es noch viel schlimmer. Auch war das Schlimme, dass die Nonnen oder Priester eben immer die katholische Kirche hinter sich hatten, die eine unglaubliche Macht in Irland hatte, sodass die Nonnen immer im Recht waren, egal was sie taten. Wenn sie ihren Eltern erzählte, was in der Schule passiert ist, dann hieß es eher „Du musst schlimme Dinge getan haben, wenn die Nonnen so etwas machen mussten!“ Ein solcher Machteinfluss ist wirklich unglaublich. Die Leitung empfiehl mir daraufhin auch zwei Filme, die Zustände aus dem „früheren“ Irland realistisch zeigen – ein Film (A Song for a Raggy Boy) handelt von den Industrial Schools – Internate für die Ärmsten der Bevölkerung, quasi für Kinder, die in ihren Familien kaum untergebracht und ernährt werden konnten, sodass sie auf diese Schule geschickt wurden. Dort waren die Zustände am allerschlimmsten. Wir haben den Film gesehen und er ist echt heftig, vor allem weil er auf einer wahren Begebenheit beruht. Unfassbar, aber diese Schulen haben noch bis 1986 bestanden – die Priester dort erinnerten mich an SS-Offiziere, die scheinbar ungehindert rohe Gewalt ausüben konnten. Der zweite Film (The Magdalene Sisters) handelt von einer Frauen-Strafarbeitsanstalt, die es tatsächlich noch bis 1996 in Irland gegeben hat. Dort kamen Frauen rein, die der katholischen Kirche nach Verbrechen begangen haben (z.B. vergewaltigt wurden, vor der Ehe ein Kind bekommen haben oder auch nur mit Jungen geflirtet haben…) und natürlich waren die Zustände dort ebenso unbeschreiblich. Ich habe noch viel mit Pauline gesprochen, über den Katholizismus in Irland – sie selbst und auch die anderen aus dem Team, mit denen ich gesprochen habe, wollen nichts mehr von der Kirche wissen bzw. haben damit nichts mehr am Hut und können auch nicht verstehen, wie irgendjemand, der diese Dinge erlebt hat, noch diesen Glauben haben kann (obwohl es natürlich sehr viele gibt). Unbegreiflich, wie solche Dinge in Gottes Namen geschehen konnten und können (sogar diese Woche wurde in einer nahen Gemeinde ein Priester „aus Gründen der Child Protection“ aus dem Amt entlassen, ein Mann, den alle total gerne mochten). Schlimm finde ich auch, dass diese Form der „Machtausübung“ der Kirche den Menschen entweder einen unglaublich verdrehten Glauben vermittelt, der sie vollkommen machtlos, unterwürfig und schuldig macht, oder sie ihres Glaubens vollständig beraubt, wenn doch die wahre Essenz dessen so wertvoll sein könnte. 

Ja, diese Woche war dieses Thema also relativ dominierend bei mir. Ich versuche aber auch alles, was mit Irland, dem Leben hier, der Kultur, der Geschichte, der Sprache zu tun hat aufzusaugen, weil es mich einfach total interessiert – einfach die Leute zu erleben, deren Sprache zu beobachten, die Themen, die bei ihnen oder im Alltag dominieren, die Art und Weise, wie miteinander umgegangen wird, ihre Ansichten über verschiedene Themen wie eben die Kirche, oder auch Kindererziehung, die Traveller, Politik usw…… mein Forschergeist ist voll und ganz geweckt und am liebsten würde ich Rund um die Uhr recherchieren, über alles Mögliche. Habe mir aus der Bücherei nun zwei Bücher ausgeliehen – eins über die Irish Traveller Community (aus der Sicht einer Hilfsorganisation) und eins über „Das Leben und den Alltag von Familien mit geringem Einkommen in Irland“. Hachja, alles sehr spannend.

Ansonsten waren die letzten zwei Kita-Woche sehr geprägt von rauen Kinder-Streitigkeiten, die mich doch immer wieder in ihrer Art und Weise bzw. Intensität ganz schön schocken konnten. So hat z.B. ein 2,5-Jähriger einen kleineren Jungen total heftig in den Arm gebissen, sodass der ganze Arm länger rot und dick war und es eine Wunde hinterlassen hat und der Anblick dieser Szenerie war ziemlich schrecklich. Seitdem versucht der gleiche Junge immer wieder, andere Kinder zu beißen, oft ganz plötzlich und sobald er in der Krippe ist, braucht man immer jemanden, der ihn auf Schritt und Tritt beobachtet und immer wieder rettet man Kinder noch in letzter Minute, also ganz schön fies. Ein anderer Junge, der sogar noch unter 2 Jahren ist, hat sich gestern, als Reaktion darauf, dass ich ihm seine Spielzeugautos weggenommen habe, in meinen Haaren festgekrallt und gezerrt, mich anschließend mit seinen Patschehändchen immer wieder ins Gesicht gehauen und mir eine Kratzspur am Arm verpasst! :D Anschließend hat er mal wieder „out of nowhere“ ein anderes kleines Mädchen attackiert und ihr von hinten durchs Gesicht gekratzt. Am nächsten Tag hat das Kerlchen dann dem gleichen Mädchen ein großes Spielzeug gegen den Kopf geschlagen und damit noch eine weitere Beule verursacht. Dann gibt es einen Jungen (höchstens 2 Jahre alt), der absichtlich andere Kinder mit großen Spielzeug-LKWs bewirft, oder versucht auf Babys drauf zuspringen oder ähnliches….Diese Dinge könnte ich jetzt noch ewig weiter ausführen, da so gut wie jeden Tag wieder irgendwelche fiesen Attacken am Start sind, aber ich find es generell einfach nur unfassbar, dass Kinder, die allerhöchstens 3 Jahre alt sind, schon zu solchen Angriffen in der Lage sind. Kratzen, Beißen, Babys von der Rutsche schubsen, Kinder extra ins Gesicht treten, Augen quetschen, und natürlich das Übliche (Hauen, Umschubsen und Ansabbern ;)). Ganz schön krass, vor allem, weil es Kinder gibt, die so etwas Rund um die Uhr machen und das in einem Alter, in dem sie selbst zum Teil noch in einem Hochstuhl sitzen, Pempas tragen und gefüttert werden. Von den Eltern kommen dann tatsächlich zum Teil Tipps wie: „Ihr müsst den Jungen halt richtig anschreien! Das mach ich zuhause auch immer so, dann hört der schon auf!“ Achso okay, na dann, wieder was gelernt ;)

Tjaja, nun noch etwas Erfreulich-Harmloses-Schönes:

Am Wochenende hatten wir Besuch von Elina und Till! Unser erster Besuch „aus der Heimat“, auf den wir uns sehr gefreut haben. Wir haben die beiden am Busbahnhof abgeholt und unser Gästezimmer wurde mit Leben gefüllt! :) Wir verbrachten das Wochenende mit Spaziergängen an unserer Bucht, einem leckeren Essen beim Italiener auf unserer Straße, einem Marktbesuch und Stadtbummel, in Pubs, mit gemütlichen Abenden zuhause bei Cider und irischem Film, einem Spaziergang zu meiner Kita und der Uni und natürlich wurde einiges an Gesprächsbedarf aufgeholt. Sonntagabend wurde das gemeinsame Wochenende mit Rotwein und einem, passend zur Jahreszeit super leckeren Kürbisgericht beendet, gezaubert von Elina und Till, da sich die beiden am nächsten Morgen zu einer 3-tägigen Wandertour zu den Cliffs of Moher aufgemacht haben. Heute haben wir uns noch einmal kurz, quasi auf ihrer Durchreise nach Dublin gesehen, konnten die wunderschönen Wanderfotos anschauen und noch ein gemeinsames halbes Stündchen Meerblick genießen, bevor es dann leider Abschied bis Weihnachten hieß! Auf diesem Wege also nochmal ein liebes Danke für das schöne Wochenende und bis bald!! :)

Fotos von dem Wochenende und auch noch welche von der letzten Zeit zu zweit könnt ihr im Anschluss an diesen Eintrag dann auch im Blog beschauen!

Bei Fredi und seiner Arbeitssuche hat sich natürlich auch einiges getan, er ist fündig geworden und hat seine erste Arbeitswoche hinter sich, wird hierzu aber selbst am Wochenende einen Post verfassen, sodass ich dem an dieser Stelle nichts vorgreifen möchte.

Morgen sind wir zum Spiel Deutschland-Irland bei einer Arbeitskollegin aus der Kita eingeladen und werden es dort also mit ihr, ihren Söhnen, ihrem Freund und mal schauen, wer noch dabei ist („vielleicht kommt noch mein Cousin, vielleicht noch ein Freund des Sohnes…“), sehen. Sie meinte, wir sollen uns darauf einstellen, dass sie alle sehr viel schreien werden beim Fußball gucken und wenn Irland verliert, werden wir verkloppt und nicht mehr aus dem Haus gelassen. Yey, wir freuen uns beide sehr auf den Abend! :D

Now… take care sweet people!

Peace be with you Síochán leat

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