Hallo ihr Lieben,
es ist schon wieder eine Woche rum und die Zeit scheint mal
wieder so davon zu rasen.
Die letzte Woche waren wir beide leider ziemlich außer
Gefecht gesetzt und daher ist auch nicht allzu viel passiert. Das letzte
Wochenende habe ich fast nur mit Schlafen verbracht, da mich eine starke
Erkältung/ Grippe heimgesucht hat. Schön, dass der Körper immer gleich weiß, an
welchen Tagen die Krankheit so richtig ausbrechen darf ;) Zusätzlich zu der
Grippe hat mein Körper die ganze Woche irgendwie sehr verrückt gespielt und
sich so einiges einfallen lassen, um meinen seelischen Zustand an den körperlichen
anzupassen. Ohrenschmerzen, Rippenstechen, Krämpfe in Blinddarmgegend… Aber wie
gut, dass der Körper auch immer wieder weiß, wann er auf Leistung eingestellt
sein muss und somit war ich ab Montag wieder im Praktikum. Zwar hab ich jetzt 6
Tage Schmerztabletten hinter mir und mein Globuli-Reiseset ist gefühlt zur
Hälfte aufgebraucht, aber dafür ist auch wieder eine weitere Praktikumswoche
geschafft. Ab Montag war Fredi dann auch so richtig krank, neue Medizin wurde
gekauft und er musste seine Jobsuche bzw. den Gang zum Volunteering Centre auf
nächste Woche verschieben. Dafür ist er jetzt umso motivierter und ich konnte
noch eine weitere Woche von seinen Kochkünsten profitieren, mit denen ich nach
Feierabend immer wieder begrüßt wurde. Oh wie schön, wieder Gesundes essen zu
können, nach dem ganzen Restaurant-Fast-Food der ersten 10 Tage.
Die zweite Woche im Praktikum war wieder recht ambivalent.
Montag und Dienstag war es ganz gut und nach dem Dienstag hatte ich sogar das
Gefühl, endlich besser ins Team integriert
zu sein und ein bisschen mehr Verantwortung zu bekommen. Es ist hier
zwar so, dass alle nett sind und einen guten und lockeren Umgang miteinander
haben, allerdings ist diese große Offenheit, die ich aus Irland eigentlich
gewohnt bin, dort nicht so sehr vertreten und es ist immer noch so, dass ich
kaum Anweisungen bekomme und eher so mitlaufe und ich mir jede Information
selbst erfragen oder erarbeiten muss. Zum Beispiel stand ich immer um 8:50 Uhr
morgens vor der Kita-Tür, wurde aber immer erst um Punkt 9:00 Uhr zu meinem
Arbeitsbeginn und der Kitaöffnung hereingelassen, zusammen mit allen Kindern
und Eltern, die sich vor der Tür versammelt hatten, während alle anderen des
Teams natürlich in der Kita bereitstanden. Dazu kommt noch, dass man mittels
Kamera vor der Tür im Büro und im Krippenraum auf einem Bildschirm sehen kann,
wer vor der Tür steht. Irgendwann kam ich mir ziemlich verarscht vor und hab
die Gruppenleitung gefragt, wann ich denn morgens kommen soll, weil ich die
letzten drei Tage nicht hereingelassen wurde und immer 10 Minuten vor der Tür
gewartet hab und dann meinte sie, dass es einen Hintereingang gibt, durch den
alle Mitarbeiterinnen kommen und der immer offen steht. Irgendwie unnötig, so
etwas nicht mal kurz zu sagen. Ja, nach einem guten Wochenstart ging es dann
mit einem schrecklichen Mittwoch weiter, der mich wieder sehr frustriert hat.
Zum einen durch die gerade genannten Dinge und zum anderen dadurch, dass
vielleicht die Kinder-Konstellation eklig war oder ich eine Schmerztablette
mehr hätte nehmen sollen. Die Nachmittags-Gruppe ist immer viel schlimmer als
die erste Gruppe am Morgen, was sicher nicht an den Kindern liegt, sondern an
der Tageszeit, nachmittags wird glaube ich einfach mehr gequengelt. Es ist
einfach oft ein unglaubliches Geschrei und Durcheinander-Gerenne, sodass es bei
mir einfach ein ultimatives Brain-Freeze verursacht. Ich kann mich weder mit
einzelnen Kindern beschäftigen, weil sobald ich den Blick von der Gesamtgruppe
weglenke, passiert wieder irgendwas, was ich nicht gesehen hab, noch kann ich
den Blick auf das Gesamte richten und trotzdem Einzelheiten darin erkennen! :D
Klingt wirklich bescheuert, aber ich habe das Gefühl, ich starre auf dieses
Chaos und bin nicht in der Lage scharf zu sehen. Bei der Circle Time hab ich
mir teilweise sogar die Ohren zugehalten. So ist es nicht jeden Tag, aber der
Mittwoch scheint eine besondere Energie für dieses Phänomen zu haben,
vielleicht weil Mitte der Woche, blöde Kinder-Konstellation,
Wettererscheinungen, fiese Kobolde im Gras oder schlechte Kollektivenergien…
was weiß ich :)
Dazu kam auch, dass es Mittwochmorgens in Strömen regnete
und ich einen Vorgeschmack darauf bekam, was mich im Herbst und Winter hier
wohl erwarten wird. Trotz Regenjacke und Regenhose war ich nach 15 Minuten
Fahrrad fahren nass bis auf die Haut und meine Schuhe, Socken und auch die
teure Regenjacke waren 7 Stunden später auf dem Rückweg noch immer pitschnass.
Fahrrad fahren ist hier sowieso noch einmal ein eigens Thema für sich, aber das
lieber ein anderes Mal ;) Wenn es regnet, gehen wir in der Kita auch nicht mit
den Kindern raus (ich hätte echt gedacht, dass man hier immer rausgeht, ich
mein, es regnet doch viel zu oft, um sich davon abschrecken zu lassen…). Wenn
wir nicht rausgehen, werden die Spielgeräte von draußen in den Gruppenraum
gebracht und die Kinder dürfen mit den Bobbycars, Fahrrädern,
Baby-lauf-lern-Geräten, Buggies und Rollern durch den Gruppenraum sausen, was
wirklich nicht schön ist, weil die Kinder gleichzeitig auch noch Lust haben,
Puzzle auf dem Boden auszubreiten, oder Bücher oder Bälle vom Bällebad nebenan
dazwischen zu schmeißen. Am Donnerstag hat es wieder geregnet, viel leichter
als am Mittwoch, aber leider immer noch genug, um nicht rauszugehen. Allerdings
war es am Donnerstag insgesamt wieder viel angenehmer, wobei die
Ursachenforschung hier deutlich leichter ist als für den Mittwoch: Ich wusste,
dass nach diesem Tag Wochenende ist! Auch hab ich mir donnerstags rausgenommen,
laut zu werden, wenn es mir zu bunt wird. (Ja, manchmal kann ich das, aber nur
wenn ich richtig sauer bin…) Das war ich allerdings, als zwei kleine Jungs 10
Minuten vor Schluss meinten, jetzt auch noch mit Holzklötzen auf dem Tisch
rumhämmern zu müssen. Zwei Teacher saßen an dem gleichen Tisch und versuchten,
sie freundlich darum zu bitten, doch aufzuhören, was leider nicht
funktionierte. Ein freundliches „BOYS STOP IT PLEASE!!! YOU’RE KILLING MY EARS!“
meinerseits zwei Tische weiter brachte dann netterweise schlagartig etwas mehr
Erfolg. Puh, einmal durchatmen und ein freundliches „THANK YOU“ hinterher –
nicht, dass sie glauben, ich hätte ein Problem mit dem freundlichen Umgangston!
;) Also insgesamt war diese Woche ein auf und ab, aber vermutlich hat mir
einfach nur an Energie gefehlt, für den normalen Alltagswahnsinn.
Diese Woche haben wir auch festgestellt, dass unsere
Haustürklingel nicht funktioniert. Nachdem wir zwei Pakete verpasst haben (für
meinen Geburtstag, oooh :)),
obwohl Fredi zu der Zeit beide Male zuhause war, haben wir mal die Klingel
getestet und festgestellt, dass sie nicht funktioniert. Zum Glück gibt es
gegenüber von uns direkt das nächste Post office – wie praktisch, dachte ich
und wollte schon gleich herüberlaufen, als ich auf den Zetteln im Briefkasten
eine andere Adresse der zentralen Paketsammelstelle fand, die wohl die einzige
Stelle ist, an der man sein Paket abholen kann, wenn man es verpasst hat. Es
stellte sich heraus, dass diese zentrale Sammelstelle irgendwo in der Pampa
liegt, hinter einem Industriegebiet und dass da keine öffentlichen
Verkehrsmittel (also Busse) hinfahren. So sind wir nun heute mit zwei Bussen
möglichst nah herangefahren und nach einer weiteren halben Stunde Fußmarsch
(Fredi sagt, wir sind auch langsam gegangen, aber ich hatte schon Seitenstiche
von dem schnellen Schritt :D) sind wir an dem Postzentrum angekommen und ich
konnte endlich überglücklich meine Pakete in der Hand halten und dieses Gefühl
auch die nächste halbe Stunde zurück zur Busstation noch genießen :) :D
Jedoch stellten wir fest, dass noch ein Päckchen aussteht,
sodass wir heute ab 8:30 Uhr an unserem Wohnzimmerfenster Wache gehalten haben,
um den Postwagen rechtzeitig abzufangen!! ;) Die letzten Male kam er um 9:00 Uhr
rum – leider haben wir heute gegen 11 Uhr aufgegeben, kein grüner Postwagen in
Sicht! Dann gibt es also noch etwas, auf das ich mich nächste Woche freuen darf!
Ansonsten haben wir aber auch mit dem Postbeamten des Verteilungszentrums
gesprochen und da es so weit weg ist und wir kein Auto haben, sagte er, wir
könnten das Postamt gegenüber von uns fragen, ob sie sich das Paket dann
nochmal zuschicken lassen und wir es dann eben 1,2 Tage später dort abholen
können. Das ist doch auch schon einmal sehr beruhigend zu wissen!
Jah, soviel erst einmal zu dieser Woche. Sonntag ist
Geburtstag und ich bin jetzt schon sehr gerührt von der vielen Geburtstagspost
– vielen Dank ihr Lieben! Ich bin jetzt schon sehr melancholisch, aber ich
werde stark bleiben und mit Fredi einen schönen Tag hier haben! :) Vielleicht feiern wir
in der Stadt rein und schaffen es noch etwas in die Natur. Morgen ist
stürmisches Wetter und Regen angesagt, aber heute soll noch die Sonne scheinen,
sodass wir uns vielleicht zu einem Picknick am Strand aufmachen können.
Fühlt euch gedrückt, umarmt, geliebt :)
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