Samstag, 14. September 2013

Schnief- und Grummelwoche



Hallo ihr Lieben,
es ist schon wieder eine Woche rum und die Zeit scheint mal wieder so davon zu rasen.
Die letzte Woche waren wir beide leider ziemlich außer Gefecht gesetzt und daher ist auch nicht allzu viel passiert. Das letzte Wochenende habe ich fast nur mit Schlafen verbracht, da mich eine starke Erkältung/ Grippe heimgesucht hat. Schön, dass der Körper immer gleich weiß, an welchen Tagen die Krankheit so richtig ausbrechen darf ;) Zusätzlich zu der Grippe hat mein Körper die ganze Woche irgendwie sehr verrückt gespielt und sich so einiges einfallen lassen, um meinen seelischen Zustand an den körperlichen anzupassen. Ohrenschmerzen, Rippenstechen, Krämpfe in Blinddarmgegend… Aber wie gut, dass der Körper auch immer wieder weiß, wann er auf Leistung eingestellt sein muss und somit war ich ab Montag wieder im Praktikum. Zwar hab ich jetzt 6 Tage Schmerztabletten hinter mir und mein Globuli-Reiseset ist gefühlt zur Hälfte aufgebraucht, aber dafür ist auch wieder eine weitere Praktikumswoche geschafft. Ab Montag war Fredi dann auch so richtig krank, neue Medizin wurde gekauft und er musste seine Jobsuche bzw. den Gang zum Volunteering Centre auf nächste Woche verschieben. Dafür ist er jetzt umso motivierter und ich konnte noch eine weitere Woche von seinen Kochkünsten profitieren, mit denen ich nach Feierabend immer wieder begrüßt wurde. Oh wie schön, wieder Gesundes essen zu können, nach dem ganzen Restaurant-Fast-Food der ersten 10 Tage.
Die zweite Woche im Praktikum war wieder recht ambivalent. Montag und Dienstag war es ganz gut und nach dem Dienstag hatte ich sogar das Gefühl, endlich besser ins Team integriert  zu sein und ein bisschen mehr Verantwortung zu bekommen. Es ist hier zwar so, dass alle nett sind und einen guten und lockeren Umgang miteinander haben, allerdings ist diese große Offenheit, die ich aus Irland eigentlich gewohnt bin, dort nicht so sehr vertreten und es ist immer noch so, dass ich kaum Anweisungen bekomme und eher so mitlaufe und ich mir jede Information selbst erfragen oder erarbeiten muss. Zum Beispiel stand ich immer um 8:50 Uhr morgens vor der Kita-Tür, wurde aber immer erst um Punkt 9:00 Uhr zu meinem Arbeitsbeginn und der Kitaöffnung hereingelassen, zusammen mit allen Kindern und Eltern, die sich vor der Tür versammelt hatten, während alle anderen des Teams natürlich in der Kita bereitstanden. Dazu kommt noch, dass man mittels Kamera vor der Tür im Büro und im Krippenraum auf einem Bildschirm sehen kann, wer vor der Tür steht. Irgendwann kam ich mir ziemlich verarscht vor und hab die Gruppenleitung gefragt, wann ich denn morgens kommen soll, weil ich die letzten drei Tage nicht hereingelassen wurde und immer 10 Minuten vor der Tür gewartet hab und dann meinte sie, dass es einen Hintereingang gibt, durch den alle Mitarbeiterinnen kommen und der immer offen steht. Irgendwie unnötig, so etwas nicht mal kurz zu sagen. Ja, nach einem guten Wochenstart ging es dann mit einem schrecklichen Mittwoch weiter, der mich wieder sehr frustriert hat. Zum einen durch die gerade genannten Dinge und zum anderen dadurch, dass vielleicht die Kinder-Konstellation eklig war oder ich eine Schmerztablette mehr hätte nehmen sollen. Die Nachmittags-Gruppe ist immer viel schlimmer als die erste Gruppe am Morgen, was sicher nicht an den Kindern liegt, sondern an der Tageszeit, nachmittags wird glaube ich einfach mehr gequengelt. Es ist einfach oft ein unglaubliches Geschrei und Durcheinander-Gerenne, sodass es bei mir einfach ein ultimatives Brain-Freeze verursacht. Ich kann mich weder mit einzelnen Kindern beschäftigen, weil sobald ich den Blick von der Gesamtgruppe weglenke, passiert wieder irgendwas, was ich nicht gesehen hab, noch kann ich den Blick auf das Gesamte richten und trotzdem Einzelheiten darin erkennen! :D Klingt wirklich bescheuert, aber ich habe das Gefühl, ich starre auf dieses Chaos und bin nicht in der Lage scharf zu sehen. Bei der Circle Time hab ich mir teilweise sogar die Ohren zugehalten. So ist es nicht jeden Tag, aber der Mittwoch scheint eine besondere Energie für dieses Phänomen zu haben, vielleicht weil Mitte der Woche, blöde Kinder-Konstellation, Wettererscheinungen, fiese Kobolde im Gras oder schlechte Kollektivenergien… was weiß ich :)
Dazu kam auch, dass es Mittwochmorgens in Strömen regnete und ich einen Vorgeschmack darauf bekam, was mich im Herbst und Winter hier wohl erwarten wird. Trotz Regenjacke und Regenhose war ich nach 15 Minuten Fahrrad fahren nass bis auf die Haut und meine Schuhe, Socken und auch die teure Regenjacke waren 7 Stunden später auf dem Rückweg noch immer pitschnass. Fahrrad fahren ist hier sowieso noch einmal ein eigens Thema für sich, aber das lieber ein anderes Mal ;) Wenn es regnet, gehen wir in der Kita auch nicht mit den Kindern raus (ich hätte echt gedacht, dass man hier immer rausgeht, ich mein, es regnet doch viel zu oft, um sich davon abschrecken zu lassen…). Wenn wir nicht rausgehen, werden die Spielgeräte von draußen in den Gruppenraum gebracht und die Kinder dürfen mit den Bobbycars, Fahrrädern, Baby-lauf-lern-Geräten, Buggies und Rollern durch den Gruppenraum sausen, was wirklich nicht schön ist, weil die Kinder gleichzeitig auch noch Lust haben, Puzzle auf dem Boden auszubreiten, oder Bücher oder Bälle vom Bällebad nebenan dazwischen zu schmeißen. Am Donnerstag hat es wieder geregnet, viel leichter als am Mittwoch, aber leider immer noch genug, um nicht rauszugehen. Allerdings war es am Donnerstag insgesamt wieder viel angenehmer, wobei die Ursachenforschung hier deutlich leichter ist als für den Mittwoch: Ich wusste, dass nach diesem Tag Wochenende ist! Auch hab ich mir donnerstags rausgenommen, laut zu werden, wenn es mir zu bunt wird. (Ja, manchmal kann ich das, aber nur wenn ich richtig sauer bin…) Das war ich allerdings, als zwei kleine Jungs 10 Minuten vor Schluss meinten, jetzt auch noch mit Holzklötzen auf dem Tisch rumhämmern zu müssen. Zwei Teacher saßen an dem gleichen Tisch und versuchten, sie freundlich darum zu bitten, doch aufzuhören, was leider nicht funktionierte. Ein freundliches „BOYS STOP IT PLEASE!!! YOU’RE KILLING MY EARS!“ meinerseits zwei Tische weiter brachte dann netterweise schlagartig etwas mehr Erfolg. Puh, einmal durchatmen und ein freundliches „THANK YOU“ hinterher – nicht, dass sie glauben, ich hätte ein Problem mit dem freundlichen Umgangston! ;) Also insgesamt war diese Woche ein auf und ab, aber vermutlich hat mir einfach nur an Energie gefehlt, für den normalen Alltagswahnsinn.
Diese Woche haben wir auch festgestellt, dass unsere Haustürklingel nicht funktioniert. Nachdem wir zwei Pakete verpasst haben (für meinen Geburtstag, oooh :)), obwohl Fredi zu der Zeit beide Male zuhause war, haben wir mal die Klingel getestet und festgestellt, dass sie nicht funktioniert. Zum Glück gibt es gegenüber von uns direkt das nächste Post office – wie praktisch, dachte ich und wollte schon gleich herüberlaufen, als ich auf den Zetteln im Briefkasten eine andere Adresse der zentralen Paketsammelstelle fand, die wohl die einzige Stelle ist, an der man sein Paket abholen kann, wenn man es verpasst hat. Es stellte sich heraus, dass diese zentrale Sammelstelle irgendwo in der Pampa liegt, hinter einem Industriegebiet und dass da keine öffentlichen Verkehrsmittel (also Busse) hinfahren. So sind wir nun heute mit zwei Bussen möglichst nah herangefahren und nach einer weiteren halben Stunde Fußmarsch (Fredi sagt, wir sind auch langsam gegangen, aber ich hatte schon Seitenstiche von dem schnellen Schritt :D) sind wir an dem Postzentrum angekommen und ich konnte endlich überglücklich meine Pakete in der Hand halten und dieses Gefühl auch die nächste halbe Stunde zurück zur Busstation noch genießen :) :D


Jedoch stellten wir fest, dass noch ein Päckchen aussteht, sodass wir heute ab 8:30 Uhr an unserem Wohnzimmerfenster Wache gehalten haben, um den Postwagen rechtzeitig abzufangen!! ;) Die letzten Male kam er um 9:00 Uhr rum – leider haben wir heute gegen 11 Uhr aufgegeben, kein grüner Postwagen in Sicht! Dann gibt es also noch etwas, auf das ich mich nächste Woche freuen darf! Ansonsten haben wir aber auch mit dem Postbeamten des Verteilungszentrums gesprochen und da es so weit weg ist und wir kein Auto haben, sagte er, wir könnten das Postamt gegenüber von uns fragen, ob sie sich das Paket dann nochmal zuschicken lassen und wir es dann eben 1,2 Tage später dort abholen können. Das ist doch auch schon einmal sehr beruhigend zu wissen!
Jah, soviel erst einmal zu dieser Woche. Sonntag ist Geburtstag und ich bin jetzt schon sehr gerührt von der vielen Geburtstagspost – vielen Dank ihr Lieben! Ich bin jetzt schon sehr melancholisch, aber ich werde stark bleiben und mit Fredi einen schönen Tag hier haben! :) Vielleicht feiern wir in der Stadt rein und schaffen es noch etwas in die Natur. Morgen ist stürmisches Wetter und Regen angesagt, aber heute soll noch die Sonne scheinen, sodass wir uns vielleicht zu einem Picknick am Strand aufmachen können.
Fühlt euch gedrückt, umarmt, geliebt :)

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