Freitag, 6. September 2013

Erste Praktikumswoche & Umzug


Hey sweet Folks, 
die letzte Woche hat sich viel getan und meine erste Praktikumswoche hat mich so geschafft, dass ich nach Feierabend nicht mehr in Schreiblaune war.
Am Montag war mein erster Praktikumstag und gleichzeitig auch Umzugstag! Morgens fuhr ich noch vom B&B aus zur Kita und Fredi begleitete mich, damit ich mich nicht verfahre bzw. damit ich beim Verfahren nicht gleich in Panik gerate bzw. damit ich nicht alleine bin, wenn ich mich verfahre und daraufhin in Panik gerate. Ja, um 9 Uhr startete das Praktikum, welches erst einmal damit begann, dass ich die erste Stunde nur damit verbrachte, irgendwelche Bestimmungen und Sicherheitshinweise zu lesen (so z.B.: Welche Gefahren gibt es bei herumliegendem Spielzeug oder durch Verschütten einer Flüssigkeit und wie kann man diesen Risiken vorbeugen… ;)). Damit ich nicht den gesamten ersten Tag mit Lesen verbringe, bot die Leitung mir an, das offizielle Heft mit allen Bestimmungen mit nach Hause zu nehmen und nach Feierabend zu lesen – es gelesen zu haben, war Voraussetzung dafür, das Praktikum beginnen zu können. Und es waren mal eben 38 Seiten. Nach diesem höchst detailliertem Lesekram (nachdem ich übrigens angenommen hatte, man muss während des gesamten Arbeitstags Plastikhandschuhe tragen), hatte ich damit gerechnet, eine genauso detaillierte praktische Einführung zu bekommen, die jedoch nicht stattfand. Stattdessen wurde man in der üblichen Kita-Manier halt mal wieder in die Gruppe geschubst und konnte sich selbst Beschäftigungen suchen, da es keinerlei Anweisungen gab. Ich frag mich wirklich, warum es in Kitas nicht möglich ist, Praktikant/innen eine ordentliche Einarbeitung zu geben, sondern sie immer die erste Zeit quasi ignoriert werden. Außer man ergreift selbst Initiative, was natürlich sowieso notwendig ist, allerdings würde ich so etwas als Kita-Mitarbeiterin wirklich komplett anders angehen und versteh diese Art auch wirklich nicht. Naja, das Resultat des ersten Tages war jedenfalls: Irgendwie sowas wie das IKEA-Kinderparadies…. Ein komplett anderes System als das deutsche und eine reine Betreuungseinrichtung. Das Team allerdings sehr nett.
Nach Feierabend fuhr ich mit dem Fahrrad wieder zum B&B und traf dort Fredi an, der gerade schon dabei war unser ganzes Gepäck in ein Taxi zu stopfen, sodass wir dann zusammen mit dem Taxi nach Salthill gefahren sind, zu unserer neuen Wohnung. Dort waren wir mit unserem Landlord (Vermieter) Pat verabredet, der uns noch einmal alles Wichtige in der Wohnung erklärte, seine erste Miete in Empfang nahm und die Schlüssel übergab. Leider gab es nicht einmal Bettdecken und Kissen in der Wohnung, aber da wir auch unsere Fahrräder noch aus dem B&B holen mussten, ging es sowieso direkt noch einmal per Bus in die Stadt. Dort das Wichtigste in Windeseile besorgt, Decken, Kissen, Bettwäsche und ein paar Lebensmittel, dann zum B&B und per Fahrrad wieder zu unserer Wohnung. Das sah dann so aus:



Ja, das war der Montag.
Die darauf folgenden Tage verliefen meinerseits in der Kita recht ambivalent, wobei mich jeder Tag sehr erschöpft zurückließ. Fredi verbrachte meine Praktikumszeit damit, uns einen Internet-Anschluss zu verschaffen und alle möglichen Dinge zu besorgen, die man zu Beginn erst einmal braucht (Wäscheständer, weiteres Bettzeug usw…) und wohnungstechnisch alles auf Vordermann zu bringen. Ja, leider ist die Wohnung was solche Dinge angeht gar nicht gut ausgestattet, sodass auch noch weitere Dinge am Wochenende gekauft werden müssen. Z.B. sind auch die Messer so stumpf, dass wir neue kaufen müssen, weil man damit kaum Gemüse oder Brot schneiden und so weiter. Insgesamt fühlen wir uns beide diese Woche etwas angeschlagen… Fredi wurde immer wieder von starken Kopfschmerzen begleitet und mir machen die Ohren sehr zu schaffen, weil sie dem Wind hier nicht so gut standhalten können. Habe mittlerweile echt Ohrenschmerzen, weshalb mir Fredi so Ohrwärmer mitgebracht hat. Ohne ein Tuch oder diese Ohrwärmer kann ich gerade leider nicht mehr rausgehen, was sehr bekloppt aussehen muss, wenn man bedenkt, dass es immerhin noch Sommer ist. Damit ihr es euch nicht vorstellen müsst, hier ein supi Foto davon:
Wer braucht schon 30 Grad? ;)

Zu meiner Kita:
Die Struktur: Erst einmal ist es eine Krippe und Vorschule. Es gibt einen Krippenraum, mit um die 20-25 Kinder von 1-3 Jahren und einen Vorschulraum mit um die 20 Kinder von 3-6 Jahren. Dann ist es so, dass es in Irland eigentlich nur private Kitas gibt, die sehr teuer sind. Die Krippe in Westside ist hingegen eine Institution, die aus kommunalen Fördermitteln finanziert wird, um möglichst viele Familien aus Westside/Newcastle (dem ärmeren Viertel) zumindest ein Wenig zu unterstützen, in dem ihre Kinder dort betreut werden. Dabei ist das System aber wie folgt: Jedes Kind darf nur maximal 9 Stunden in der Woche in der Krippe/Vorschule sein und nur maximal 3 Stunden am Tag. Das heißt, jeden Tag werden um 9:00 Uhr Kinder in die Krippe gebracht, die um 12:30 Uhr wieder abgeholt werden. Dann kommen um 13:00 Uhr wieder 20 neue Kinder, die um 15:30 Uhr wieder abgeholt werden. Am nächsten Tag kommen dann wieder Kinder, aber nicht unbedingt die gleichen, wie am Vortag, da ja jedes Kind nur 3 Tage in der Woche da ist. Charlie kommt dann vielleicht nur montags, mittwochs und freitags, Bryan dafür dienstags, mittwochs und donnerstags. Es sind also nicht 20 neue Namen die ich lernen muss, sondern quasi schon einmal 40 pro Tag + die täglich neuen Gesichter, je nach Wochentag. Hinzu kommt noch, dass jederzeit neue Kinder in die Gruppe dazu stoßen (also nicht so nach dem Motto: Im August beginnt das neue Kita-Jahr), sodass schon diese Woche auch noch einmal mindestens 5 neue Kinder angefangen haben.
Das Gruppengeschehen: Ja, insgesamt geht es sehr chaotisch in der Gruppe zu. Die Betreuer nennen sich selbst „Teacher“, daher werd ich den Begriff jetzt auch immer benutzen, ich kann es nämlich nicht wirklich mit „Erzieher“ übersetzen, da meiner Meinung nach sehr wenig Erziehung stattfindet. Es gibt einen klaren Tagesablauf: Freies Spiel, Circle Time, Snack Time, draußen spielen (ja, wirklich in diesem eingezäunten Bereich), freies Spiel bis die Eltern kommen. Dann das gleiche nochmal für die Nachmittags-Gruppe. Wenn es regnet, werden die Außenspielgeräte (Bobby Cars, Fahrräder und sonstige Fahrgeräte) einfach reingeholt und es wird durch die Gruppe gesaust ;)
Trotz klarem Tagesablauf geht es sehr chaotisch zu, weil die hier viel weniger streng sind, als ich das aus deutschen Kitas kenne und sich die Kinder ehrlich gesagt so fast alles erlauben können. Die Teacher sind einfach IMMER nett zu ihnen und fördern Lautstärke sogar zum Teil :D In der Circle Time (Gruppenkreis/Stuhlkreis) laufen die Kinder zum Teil durcheinander, holen sich andere Spielsachen oder lenken halt sonst irgendwie ab. Klar wird ihnen mal gesagt, dass sie das nicht sollen, aber es wird nicht konsequent umgesetzt, sodass es jedes Mal wieder genauso ist. Am Anfang konnte ich meinen Augen nicht trauen, als ich dieses Chaos gesehen habe, unfassbar wie es da zum Teil abgeht! :D Auch die Lautstärke ist echt extrem….es ist soo laut, so viel Geschrei, egal ob aus Spaß oder Weinen, das geht so ab und alle rennen durcheinander und es gibt soooooooooo unfassbar viel Spielzeug! Ohne Spaß, sowas hab ich noch nicht gesehen. Es gibt alles und von allem viel zu viel. Es gibt drei Gruppentische und bevor die Kinder kommen wird auf jedem Tisch eine Spielzeugkiste ausgeschüttet – auf dem einen hundert Bauklötze, auf dem nächsten hundert Mini-Toys und auf dem dritten hundert Spielzeug-Dinosaurier. In diesem Mini-Außengelände gibt es außerdem noch 20 Fahrräder, Roller, Bobbycars und andere Fahrgeräte. Unfassbar, das ist echt lebensgefährlich dazwischen rumzustehen und die Babys in jeder Sekunde vor einem neuen Auto oder Fahrrad zu retten. Ja, also halten wir fest – es geht hier um Betreuung und alle sind IMMER nett!
Das Team: Das Team ist wirklich nett. Alle sind super motiviert und engagiert mit den Kindern, immer gut gelaunt und gehen richtig auf in ihrem Job. Das ist schon einmal ein riesen Gegenteil zu meinen vorherigen Kita-Erfahrungen. ;) Auch sind sie untereinander genauso nett zueinander. Obwohl es nur Frauen sind, gibt es überhaupt keine Lästereien oder Zickereien, sondern alle sind normal und nett zueinander. Auch nicht überschwänglich nett, sondern einfach normal und sehr friedlich. Das find ich sehr angenehm und ich kann nicht aufhören, darüber nachzudenken, warum es hier so anders ist als das, was ich aus deutschen Kitas kenne. Sie mögen die Kinder einfach auch sehr. Einmal war das totale Chaos, Geschreie und Rumgerenne aus allen Ecken und dann macht ein Baby kurz was Süßes und sofort meinte eine der Teacher zu mir: „Ooh guck, sind sie nicht süß!!“ Ich hätte fast laut gelacht, wenn ich nicht gerade zu überfordert dazu gewesen wäre! Schwieriger als gedacht ist jedoch der irische Akzent, der in dem Team besonders stark vertreten ist. Oft schließe ich Anweisungen an mich aus der Situation heraus, weil ich die Worte nicht verstehen kann und wenn sich alle schnell miteinander unterhalten, hat das für mich nichts mehr mit Englisch zu tun. Allerdings wurde ich an einem Tag gefragt, ob man in deutschen Schulen auf Englisch unterrichtet, weil mein Englisch so gut sei und am nächsten Tag meinte die Leiterin, ich hätte einen sehr australischen Akzent. Ich hab absolut keinen Plan, wie man in Australien redet, aber scheinbar weiß es mein Unterbewusstes ;) Und mich haben diese Kommentare zumindest etwas beruhigt, da ich mir aufgrund des starken irischen Akzents in der Kita ziemlich doof vorkam und auch immer noch vorkomme, was meine Sprachkompetenz angeht.

Jah, die erste Woche im Praktikum war insgesamt also noch sehr ambivalent und ziemlich erschöpfend. Ich bin wirklich gespannt, wie es dort so weitergeht. Gestern haben Fredi und ich noch die schönen Sonnenstunden hier an der Promenade genossen und heute haben wir die Wohnung mal geputzt und waren wieder auf Shopping-Tour für die nächsten Wohnungsbesorgungen. Der Vermieter hat uns echt kaum was an Gebrauchsgegenständen hier gelassen und die Wohnung auch relativ unsauber übergeben (Wir haben in einer Küchenschublade sogar eine benutzte und ungespülte Auflauf-Form gefunden, keine Ahnung wie lange die da schon vor sich hin gammelt)…
So far so good! Was geht in der schönen Heimat? 30 Grad hab ich gehört? Uuh, da kriegt man ja Sonnenbrand und so… ;)
Wir senden euch ein paar sonnige, erfrischende Windhäuchlein und beste Grüße von der Insel!



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