Hey sweet Folks,
die letzte Woche hat sich viel
getan und meine erste Praktikumswoche hat mich so geschafft, dass ich nach
Feierabend nicht mehr in Schreiblaune war.
Am Montag war mein erster
Praktikumstag und gleichzeitig auch Umzugstag! Morgens fuhr ich noch vom
B&B aus zur Kita und Fredi begleitete mich, damit ich mich nicht verfahre
bzw. damit ich beim Verfahren nicht gleich in Panik gerate bzw. damit ich nicht
alleine bin, wenn ich mich verfahre und daraufhin in Panik gerate. Ja, um 9 Uhr
startete das Praktikum, welches erst einmal damit begann, dass ich die erste
Stunde nur damit verbrachte, irgendwelche Bestimmungen und Sicherheitshinweise
zu lesen (so z.B.: Welche Gefahren gibt es bei herumliegendem Spielzeug oder
durch Verschütten einer Flüssigkeit und wie kann man diesen Risiken vorbeugen…
;)). Damit ich nicht den gesamten ersten Tag mit Lesen verbringe, bot die
Leitung mir an, das offizielle Heft mit allen Bestimmungen mit nach Hause zu
nehmen und nach Feierabend zu lesen – es gelesen zu haben, war Voraussetzung
dafür, das Praktikum beginnen zu können. Und es waren mal eben 38 Seiten. Nach
diesem höchst detailliertem Lesekram (nachdem ich übrigens angenommen hatte,
man muss während des gesamten Arbeitstags Plastikhandschuhe tragen), hatte ich
damit gerechnet, eine genauso detaillierte praktische Einführung zu bekommen,
die jedoch nicht stattfand. Stattdessen wurde man in der üblichen Kita-Manier
halt mal wieder in die Gruppe geschubst und konnte sich selbst Beschäftigungen
suchen, da es keinerlei Anweisungen gab. Ich frag mich wirklich, warum es in
Kitas nicht möglich ist, Praktikant/innen eine ordentliche Einarbeitung zu
geben, sondern sie immer die erste Zeit quasi ignoriert werden. Außer man
ergreift selbst Initiative, was natürlich sowieso notwendig ist, allerdings
würde ich so etwas als Kita-Mitarbeiterin wirklich komplett anders angehen und
versteh diese Art auch wirklich nicht. Naja, das Resultat des ersten Tages war
jedenfalls: Irgendwie sowas wie das IKEA-Kinderparadies…. Ein komplett anderes
System als das deutsche und eine reine Betreuungseinrichtung. Das Team
allerdings sehr nett.
Nach Feierabend fuhr ich mit dem
Fahrrad wieder zum B&B und traf dort Fredi an, der gerade schon dabei war
unser ganzes Gepäck in ein Taxi zu stopfen, sodass wir dann zusammen mit dem
Taxi nach Salthill gefahren sind, zu unserer neuen Wohnung. Dort waren wir mit
unserem Landlord (Vermieter) Pat verabredet, der uns noch einmal alles Wichtige
in der Wohnung erklärte, seine erste Miete in Empfang nahm und die Schlüssel
übergab. Leider gab es nicht einmal Bettdecken und Kissen in der Wohnung, aber
da wir auch unsere Fahrräder noch aus dem B&B holen mussten, ging es
sowieso direkt noch einmal per Bus in die Stadt. Dort das Wichtigste in
Windeseile besorgt, Decken, Kissen, Bettwäsche und ein paar Lebensmittel, dann
zum B&B und per Fahrrad wieder zu unserer Wohnung. Das sah dann so aus:
Ja, das war der Montag.
Die darauf folgenden Tage
verliefen meinerseits in der Kita recht ambivalent, wobei mich jeder Tag sehr
erschöpft zurückließ. Fredi verbrachte meine Praktikumszeit damit, uns einen
Internet-Anschluss zu verschaffen und alle möglichen Dinge zu besorgen, die man
zu Beginn erst einmal braucht (Wäscheständer, weiteres Bettzeug usw…) und
wohnungstechnisch alles auf Vordermann zu bringen. Ja, leider ist die Wohnung
was solche Dinge angeht gar nicht gut ausgestattet, sodass auch noch weitere
Dinge am Wochenende gekauft werden müssen. Z.B. sind auch die Messer so stumpf,
dass wir neue kaufen müssen, weil man damit kaum Gemüse oder Brot schneiden und
so weiter. Insgesamt fühlen wir uns beide diese Woche etwas angeschlagen… Fredi
wurde immer wieder von starken Kopfschmerzen begleitet und mir machen die Ohren
sehr zu schaffen, weil sie dem Wind hier nicht so gut standhalten können. Habe
mittlerweile echt Ohrenschmerzen, weshalb mir Fredi so Ohrwärmer mitgebracht
hat. Ohne ein Tuch oder diese Ohrwärmer kann ich gerade leider nicht mehr
rausgehen, was sehr bekloppt aussehen muss, wenn man bedenkt, dass es immerhin
noch Sommer ist. Damit ihr es euch nicht vorstellen müsst, hier ein supi Foto
davon:
| Wer braucht schon 30 Grad? ;) |
Zu meiner Kita:
Die Struktur: Erst einmal ist es
eine Krippe und Vorschule. Es gibt einen Krippenraum, mit um die 20-25 Kinder
von 1-3 Jahren und einen Vorschulraum mit um die 20 Kinder von 3-6 Jahren. Dann
ist es so, dass es in Irland eigentlich nur private Kitas gibt, die sehr teuer
sind. Die Krippe in Westside ist hingegen eine Institution, die aus kommunalen
Fördermitteln finanziert wird, um möglichst viele Familien aus
Westside/Newcastle (dem ärmeren Viertel) zumindest ein Wenig zu unterstützen,
in dem ihre Kinder dort betreut werden. Dabei ist das System aber wie folgt:
Jedes Kind darf nur maximal 9 Stunden in der Woche in der Krippe/Vorschule sein
und nur maximal 3 Stunden am Tag. Das heißt, jeden Tag werden um 9:00 Uhr
Kinder in die Krippe gebracht, die um 12:30 Uhr wieder abgeholt werden. Dann
kommen um 13:00 Uhr wieder 20 neue Kinder, die um 15:30 Uhr wieder abgeholt werden.
Am nächsten Tag kommen dann wieder Kinder, aber nicht unbedingt die gleichen,
wie am Vortag, da ja jedes Kind nur 3 Tage in der Woche da ist. Charlie kommt
dann vielleicht nur montags, mittwochs und freitags, Bryan dafür dienstags, mittwochs
und donnerstags. Es sind also nicht 20 neue Namen die ich lernen muss, sondern
quasi schon einmal 40 pro Tag + die täglich neuen Gesichter, je nach Wochentag.
Hinzu kommt noch, dass jederzeit neue Kinder in die Gruppe dazu stoßen (also
nicht so nach dem Motto: Im August beginnt das neue Kita-Jahr), sodass schon
diese Woche auch noch einmal mindestens 5 neue Kinder angefangen haben.
Das Gruppengeschehen: Ja,
insgesamt geht es sehr chaotisch in der Gruppe zu. Die Betreuer nennen sich
selbst „Teacher“, daher werd ich den Begriff jetzt auch immer benutzen, ich
kann es nämlich nicht wirklich mit „Erzieher“ übersetzen, da meiner Meinung
nach sehr wenig Erziehung stattfindet. Es gibt einen klaren Tagesablauf: Freies
Spiel, Circle Time, Snack Time, draußen spielen (ja, wirklich in diesem
eingezäunten Bereich), freies Spiel bis die Eltern kommen. Dann das gleiche
nochmal für die Nachmittags-Gruppe. Wenn es regnet, werden die Außenspielgeräte
(Bobby Cars, Fahrräder und sonstige Fahrgeräte) einfach reingeholt und es wird
durch die Gruppe gesaust ;)
Trotz klarem Tagesablauf geht es
sehr chaotisch zu, weil die hier viel weniger streng sind, als ich das aus
deutschen Kitas kenne und sich die Kinder ehrlich gesagt so fast alles erlauben
können. Die Teacher sind einfach IMMER nett zu ihnen und fördern Lautstärke
sogar zum Teil :D In der Circle Time (Gruppenkreis/Stuhlkreis) laufen die
Kinder zum Teil durcheinander, holen sich andere Spielsachen oder lenken halt
sonst irgendwie ab. Klar wird ihnen mal gesagt, dass sie das nicht sollen, aber
es wird nicht konsequent umgesetzt, sodass es jedes Mal wieder genauso ist. Am
Anfang konnte ich meinen Augen nicht trauen, als ich dieses Chaos gesehen habe,
unfassbar wie es da zum Teil abgeht! :D Auch die Lautstärke ist echt extrem….es
ist soo laut, so viel Geschrei, egal ob aus Spaß oder Weinen, das geht so ab
und alle rennen durcheinander und es gibt soooooooooo unfassbar viel Spielzeug!
Ohne Spaß, sowas hab ich noch nicht gesehen. Es gibt alles und von allem viel
zu viel. Es gibt drei Gruppentische und bevor die Kinder kommen wird auf jedem
Tisch eine Spielzeugkiste ausgeschüttet – auf dem einen hundert Bauklötze, auf
dem nächsten hundert Mini-Toys und auf dem dritten hundert
Spielzeug-Dinosaurier. In diesem Mini-Außengelände gibt es außerdem noch 20
Fahrräder, Roller, Bobbycars und andere Fahrgeräte. Unfassbar, das ist echt
lebensgefährlich dazwischen rumzustehen und die Babys in jeder Sekunde vor
einem neuen Auto oder Fahrrad zu retten. Ja, also halten wir fest – es geht
hier um Betreuung und alle sind IMMER nett!
Das Team: Das Team ist wirklich
nett. Alle sind super motiviert und engagiert mit den Kindern, immer gut
gelaunt und gehen richtig auf in ihrem Job. Das ist schon einmal ein riesen
Gegenteil zu meinen vorherigen Kita-Erfahrungen. ;) Auch sind sie untereinander
genauso nett zueinander. Obwohl es nur Frauen sind, gibt es überhaupt keine
Lästereien oder Zickereien, sondern alle sind normal und nett zueinander. Auch
nicht überschwänglich nett, sondern einfach normal und sehr friedlich. Das find
ich sehr angenehm und ich kann nicht aufhören, darüber nachzudenken, warum es
hier so anders ist als das, was ich aus deutschen Kitas kenne. Sie mögen die
Kinder einfach auch sehr. Einmal war das totale Chaos, Geschreie und Rumgerenne
aus allen Ecken und dann macht ein Baby kurz was Süßes und sofort meinte eine
der Teacher zu mir: „Ooh guck, sind sie nicht süß!!“ Ich hätte fast laut
gelacht, wenn ich nicht gerade zu überfordert dazu gewesen wäre! Schwieriger
als gedacht ist jedoch der irische Akzent, der in dem Team besonders stark
vertreten ist. Oft schließe ich Anweisungen an mich aus der Situation heraus,
weil ich die Worte nicht verstehen kann und wenn sich alle schnell miteinander
unterhalten, hat das für mich nichts mehr mit Englisch zu tun. Allerdings wurde
ich an einem Tag gefragt, ob man in deutschen Schulen auf Englisch unterrichtet,
weil mein Englisch so gut sei und am nächsten Tag meinte die Leiterin, ich
hätte einen sehr australischen Akzent. Ich hab absolut keinen Plan, wie man in
Australien redet, aber scheinbar weiß es mein Unterbewusstes ;) Und mich haben
diese Kommentare zumindest etwas beruhigt, da ich mir aufgrund des starken irischen
Akzents in der Kita ziemlich doof vorkam und auch immer noch vorkomme, was
meine Sprachkompetenz angeht.
Jah, die erste Woche im Praktikum
war insgesamt also noch sehr ambivalent und ziemlich erschöpfend. Ich bin
wirklich gespannt, wie es dort so weitergeht. Gestern haben Fredi und ich noch
die schönen Sonnenstunden hier an der Promenade genossen und heute haben wir die
Wohnung mal geputzt und waren wieder auf Shopping-Tour für die nächsten
Wohnungsbesorgungen. Der Vermieter hat uns echt kaum was an
Gebrauchsgegenständen hier gelassen und die Wohnung auch relativ unsauber
übergeben (Wir haben in einer Küchenschublade sogar eine benutzte und
ungespülte Auflauf-Form gefunden, keine Ahnung wie lange die da schon vor sich
hin gammelt)…
So far so good! Was geht in der
schönen Heimat? 30 Grad hab ich gehört? Uuh, da kriegt man ja Sonnenbrand und
so… ;)
Wir senden euch ein paar sonnige,
erfrischende Windhäuchlein und beste Grüße von der Insel!
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