Donnerstag, 21. November 2013

Limerick, Gaeilge, Besuch, Geburtstag, Krippen-Chaos

Hey Folks,
die letzten zwei Wochen war mal wieder nicht wenig los, weshalb ich bisher auch noch nicht die Ruhe für einen neuen Blogeintrag fand. Ein Tag in Limerick, Irisch-Mühen, ein langes Besucherwochenende mit Martina und Melli, Fredis Geburtstag und der normale oder auch weniger normale Krippen-Wahnsinn. Fangen wir mal von vorne an: 

Ein Tag in Limerick

Vorletztes Wochenende entschieden Fredi und ich uns dazu, für zwei Tage nach Limerick zu fahren. Ich hatte mir vorgenommen, mich weniger mit Unisachen zu stressen, weil mich der Praktikumsalltag schon genug stresst und ich die freie Zeit dann lieber mit schönen Dingen ausgleichen möchte und so war Limerick die erste Umsetzung dieses Vorhabens. Ich wollte die Stadt schon seit langem mal sehen, da das großartige Buch „Die Asche meiner Mutter“ von Frank McCourt in dieser Stadt spielt – auch wenn die Stadt in dem Buch ziemlich schrecklich daher kommt. Limerick ist eine anderthalbstündige Busfahrt von Galway entfernt und so machten wir uns dann Samstagmittag auf den Weg dorthin. Leider hatten wir an dem Tag Pech mit dem Wetter und es regnete in Strömen, ohne Unterbrechung. Limerick – eine alte Industriestadt, etwas kleiner als Galway, aber eher im Großstadt-Look, zeigte sich daher doch noch ziemlich ähnlich, wie ich es mir durch das Buch und den dort beschriebenen, vom Regen nassen und überschwemmten Gassen, vorgestellt hatte :D Die ganze Innenstadt ist durchzogen von großen, roten Backsteingebäuden – sie ist somit ganz anders als Galway, das sich vor allem durch viele kleine, bunte und verschieden aussehende Häuschen auszeichnet. Nachdem wir 3,5 Stunden durch den Regen gelaufen waren und dabei durchaus auch einen sehr schönen Markt und interessante Lädchen gefunden hatten, jedoch kein einziges B&B in Sicht war, entschieden wir uns dazu, doch noch den letzten Bus zurück nach Galway zu nehmen. Die Zeit hat gereicht für einen ersten Eindruck, und eine Schlossbesichtigung oder ähnliches ist bei diesem Wetter einfach wirklich kein Spaß, sodass wir uns im Bus schlummernd wieder Richtung Galway bewegten. Ooooh, wie schön – Es ist uns nun schon mehrmals aufgefallen, dass wir, sobald wir Galway für einen Ausflug verlassen, die Stadt schon gleich wieder vermissen und uns auf dem Rückweg immer wieder total freuen, wieder dorthin zurückzukommen und wieder diese wunderbare Atmosphäre atmen zu können. Die Stadt ist wirklich einzigartig und wie ich finde ganz besonders – überschaubar und doch so lebendig, wunderschön mit Fluss und den Docks und der Bucht, voller Studenten, voller Musik und schöner Pubs, voller fröhlicher und offener Menschen… als wir in Limerick waren und es uns wieder nach Galway gezogen hat, dachten wir: „Es ist ganz schön schwer, Urlaub zu machen, wenn man schon an dem allerschönsten Ort zuhause ist“. Ich weiß, „zuhause“ gibt es an vielen Orten – aber nun ist es einer mehr geworden und wären meine liebsten Menschen hier, die ich hier sehr vermisse, dann könnte ich für immer hier bleiben. Und ich weiß jetzt schon, was ich auf jeden Fall vermissen werde, wenn ich wieder in meinem anderen „zuhause“ angekommen bin – die frische Luft, den besonderen Himmel, von Möwen geweckt zu werden, die MUSIK, die vielen Menschen, die einen auf der Straße anlächeln, die PUB-Kultur und natürlich das Meer…

Aber da die Überschrift hier nicht „Lobeshymnen an Galway“ heißt, sondern „Limerick“, hier natürlich noch das Fazit zu Limerick: Ein bisschen das Ruhrgebiet Irlands würde ich sagen – nicht unbedingt schön, aber wieder ganz anders, als die mir zuvor bekannten Orte und damit interessant, zum Shoppen gut geeignet, zum Urlaub machen nicht zu empfehlen (angesichts der vielen, schöneren Alternativen) ;)


Schreckliche Kirche

Irisch-Mühen

Vorletzte Woche wurde ich von meiner Irisch-Lehrerin Juanne zu einem Pubtreffen mitgenommen, dessen Sinn es ist, zusammen zu kommen, um sich auf Irisch zu unterhalten – da Irisch hier ja ansonsten nicht mehr wirklich gesprochen wird. Ich versuchte im Vorfeld mehrfach, ihr deutlich zu machen, dass ich nicht in der Lage sein werde, auf Irisch Gespräche zu führen, aber sie meinte, es ist für jedermann und ich kann ja einfach mal mitkommen. Und wenn ich eine Tasse Tee auf Irisch bestelle, bekomme ich sie an dem Abend vom Pub ausgegeben. Wenigstens das wurde natürlich im Vorfeld gelernt – „Cupán tae le do thoil“ – und damit wagte ich es leichten Mutes dorthin. Naja, der Abend war ganz nett, aber verstanden hab ich so gut wie nichts und gesprochen hab ich wenn dann auch nur Englisch mit einzelnen Irischen Wörtern, wenn ich mal eins kannte. Wer mit mir reden wollte, hat immer erst auf Gälisch was gefragt und dann auf Englisch nochmal. Klang sehr witzig, aber naja. Ein paar Tage später kam dann tatsächlich eine E-Mail von einer  Frau aus diesem Irisch-Treffen – ziemlich lang und komplett auf Irisch – ich konnte zwar meinen Namen darin entdecken und denke mal, dass es was mit dem Kurs oder dem Treffen zu tun hatte, konnte aber nicht fassen, dass sie meint, ich würde jetzt eine komplette E-Mail auf Gälisch verstehen können. Mittlerweile hat sich der Irisch-Kurs auch erweitert, sodass ich nun mit einer leicht verwirrten Oma dort bin, die etwa auf dem gleichen Level ist wie ich, allerdings jetzt aber auch noch mit dieser Frau aus dem Treffen, die schon fließend Irisch spricht und auch diese bekloppte Mail verfasst hat. Und dann war an einem Tag sogar mal eine Studentin dabei, die aus Ungarn kommt, und dort tatsächlich schon einen Irisch-Lehrer hatte, sodass sie einfach obwohl aus Ungarn schon voll viel kannte (Sie meinte, sie hat wohl den einzigen Irisch-Lehrer in Ungarn erwischt). So ein bisschen verarscht kam ich mir in dieser Konstellation ja schon vor… ;) Naja, letztes Mal war die Studentin nicht mehr dabei, dafür noch eine weitere Oma, die schon fließend reden kann… seitdem sich die Gruppe so erweitert hat, finde ich es sehr chaotisch und alles geht mega schnell, sodass ich überlege, bald den Kurs zu beenden. Ich versuche schon viel zu lernen, aber ich kann nicht mit fließenden Irisch-sprachlern mithalten und durch die ist die Haupt-Gesprächs-Sprache im Kurs nun auch Irisch, wodurch ich eh schon nichts mehr checke. Naja, mal sehen, wie es damit weitergeht.

Besucherwochenende mit Martina & Melli


Letztes Wochenende waren von Donnerstag bis Montag Martina und Melli zu Besuch. Es war ein sehr schönes Wochenende, auch wenn ich leider etwas angeschlagen war, da ich die Woche zuvor wieder dick erkältet und bis dahin noch nicht wieder wirklich gut genesen war. Wir hatten gemütliche Abende im O’Connors Pub, einen schönen Galway-Besichtigungs-Tag und am Freitag ging es mittels Bus durch Connemara – die Landschaft, die nordwestlich an Galway grenzt. Die Bustour ging 7 Stunden lang und führte durch die ganz besondere Connemara-Landschaft, die mich irgendwie mehr an eine Art Mond-Landschaft erinnert und mir immer wieder etwas unweltlich vorkommt. Es ist eine steppenartige Torf-Landschaft, die sich vor allem durch braune Hügel und Seen dazwischen auszeichnet – aber bevor ich hier versuche, mir eine passende und geologisch inkorrekte Beschreibung aus den Fingern zu saugen, guckt ihr euch lieber einfach die Fotos im folgenden Post dazu an. Ein Merkmal dieser Region ist auch die große Anzahl von Schafen, die auch gerne mal auf den Straßen umherwandern und auch tauchen hin und wieder Pferde in dieser Landschaft auf, was das Bild dann perfekt macht. Ich bin sehr fasziniert von dieser Region und war es auch damals schon, als ich mit meiner Mutter vor ein paar Jahren mal auf einer Irland-Rundreise dort vorbeikam. Ich finde, auch wenn sie vielleicht nicht das auf den ersten Blick mega Beeindruckende von Steilklippen oder gegen Felsen prallende Wellen o.ä. hat, ist sie in ihrer Weite und Beschaffenheit ein ganz einzigartiges Fleckchen der Insel mit einem ganz eigenen Charakter. Leider aber ist es für mich etwas anstrengend, mit einem großen Reisebus durch diese Natur zu tingeln, mit festgelegten Stopps und Zeiten und ich habe mir mal wieder sehr ein Auto herbeigewünscht, mit dem man sich einsam und allein durch die Straßen schlingeln kann und an einem kleinen See mit Wasserfall zwischen den Hügeln anhalten kann, um sich von Wildpferden anknabbern zu lassen (hach – so wie damals, Mama ;)) Naja, immerhin gibt es diese Bustouren, da sie die einzige Möglichkeit sind, auch ohne Auto diese Ecken erfahren zu dürfen. Zurück von der Bustour gingen wir noch etwas in der Stadt essen, etwas trinken und machten einen Spaziergang zurück zur Bucht und unserer Wohnung. Martina & Melli machten noch eine weitere Bustour am Sonntag, durch die Burren-Region – die Landschaft, die südöstlich an Galway grenzt – und von der ihr schon viele Fotos gesehen habt (fast alle Landschaftsfotos an den steinigen Klippen, oder am Hochgrab bzw. an Ruinen stammen alle aus dieser Landschaft) – auch wunderschön dort und ganz anders als Connemara, aber da Fredi und ich schon zweimal in kürzerer Zeit dort waren, blieben wir am Sonntag zuhause und ich versuchte für die nächste Woche wieder richtig gesund zu werden. Leider hatten die beiden Pech mit dem Wetter – und so kamen sie völlig durchnässt abends an und auf den Fotos, auf denen eigentlich die größten Klippen Irlands zu sehen sein sollten, zeigte sich nur dicker, weißer Nebel! :D Ihr Armen! Insgesamt wieder ein Wochenende mit vielen schönen neuen Eindrücken und somit noch einmal ein liebes Dankeschön an euch Besucherlein! :)

Fredis Geburtstag


Am Dienstag war dann Fredis Geburtstag – 24 ist er nun, aber er weigert sich immer noch erwachsen zu werden! ;) Weiser Mann ;) Wir mussten beide arbeiten an dem Tag, aber dafür wurde dann nach Feierabend gefeiert und es war ein sehr schöner Tag! Kuchen, Geschenke und ein Abendessen im China-Restaurant. Während Fredi im Vorfeld etwas unglücklich darüber war, am Geburtstag so weit weg von Familie und Freunden zu sein, war es dann doch aber ein total fröhlicher Tag und die Freude war groß über die lieben Skype-/ Telefon-/ Online-/Post-nachrichten, die ihn erreicht hatten. 







Neues aus der Krippe


Ja, in der Krippe geht es weiter auf und ab, doch insgesamt kann ich sagen, dass ich mittlerweile wirklich keine Lust mehr auf das Praktikum habe. Ich hab das Gefühl, den Alltag in der Einrichtung mit allem was dazu gehört nun zu genügen mitbekommen zu haben und die Vorstellung, das gerade einmal Halbzeit vorbei ist, bekommt mir gerade nicht so gut. Ich merke einfach, dass ich nicht für die Arbeit in einer Krippe oder Kita gemacht bin und dass es nicht das ist, was mein Herz öffnet. Auch merke ich immer wieder, dass ich einfach nicht mit dem Rest des Teams „verschmelzen“ kann, weil ich mich doch sehr anders fühle in vielen Dingen und so fehlt es mir auch sehr an Gesprächspartnern im Alltag, die mir ähnlicher sind. Was mir auch schwer fällt, ist die Rolle als Praktikantin im ganzen Geschehen – ich bin als Praktikantin natürlich am untersten Ende der Team-Kette und das obwohl ich theoretisch schon länger in der Ausbildung/ im Studium bin, als die anderen, wegen den unterschiedlichen Ausbildungslängen in Deutschland und Irland. Natürlich fehlt mir die Praxiserfahrung, aber dennoch gibt es einige Dinge, die ich beobachte, ohne sie ändern zu können und das führt dazu, dass ich in der Ausführung Dinge mittrage, die ich selbst ganz anders entschieden hätte und den Ausgleich zu finden, zwischen Authentizität und Loyalität der Einrichtung gegenüber fällt mir sehr schwer. Z.B. gibt es hier noch kein sonderliches Bewusstsein in Hinblick auf Ernährung – ich bin immer wieder fassungslos darüber, wie viele Chips und Süßigkeiten schon die kleinsten Babies und alle unter 3 Jahren bekommen (z.B. wenn jemand Geburtstag hat), oder dass alle durchgehend Saftschorle zu trinken bekommen, obwohl die Erzieherinnen selbst wissen, dass Zucker super schädlich ist in dem Alter. Auch die Art und Weise, wie Kinder für ihr Äußeres gelobt werden finde ich sehr schwierig und das Aufstylen und Zurechtmachen vieler kleiner Mädchen – die zwar zum Teil schon mit unter 2 Jahren mega dick sind, dafür aber die ganze Zeit für ihre pinken Kleidchen und glitzernden Schühchen und blonden Löckchen gelobt werden, oder auch gerne mal für das kleine Pelzmäntelchen. Die Art, wie mit dem Thema Ernährung und dem Thema Erziehung von Mädchen umgegangen wird, finde ich sehr unschön und in diesem Gefüge auf welche Art auch immer beteiligt zu sein, ist nicht immer leicht. Vor zwei Tagen bekam ich mit, wie ein kleiner Junge einen Iso-Drink (so einen Sportdrink für Erwachsene) dabei hatte und die Erzieherinnen sich total darüber aufgeregt hatten und meinten, dass es verboten ist, so etwas mitzubringen, aber die Eltern es einfach ignorieren. Auf meine Nachfrage, was denn genau verboten sei, meinten sie: „Ja, zuckrige Getränke – so wie dieses oder Cola oder Fanta“ – und dann meinte ich „Und was ist mit der Capri Sonne da? Und mit den Trinkpäckchen?“ – „Ja stimmt, da ist auch Zucker drin, aber das ist okay – verboten sind sprudelnde, zuckrige Getränke wie Limo oder Cola, weil das die Zähne verrotten lässt, hast du mal gesehen, wie viele Kinder schon schwarze Zähne haben?“ Dann meinte ich: „Ja klar – aber was ist denn mit dem Saft, den wir ihnen jeden Tag geben?? Da ist doch auch total viel Zucker drin….“ – „Ja stimmt – aber das ist nicht so schlimm, aber klar, Wasser wäre besser – das wird ja auch für Kinder empfohlen.“ Hm ja, immerhin gab es mal diese Diskussion, auch wenn sie sehr unlogisch ist und heute kam die gleiche Erzieherin dann nochmal zu mir und meinte: „Du, trinken die Kinder in Deutschland so früh noch keinen Saft?“ und später hatte ein Kind Wasser mit Geschmack dabei und dann kam sie wieder zu mir und meinte „Aber guck mal hier, dieses Wasser ist doch gar nicht schlimm oder?“ – Und es tat mir schon fast leid, sie wieder enttäuschen zu müssen, da dieses Wasser mit Geschmack einfach eins der ungesündesten Sachen ist, die man trinken kann, weil so unglaublich viel Zucker drin ist und auch andere Dinge, die zum Teil krebserregend sein können. Ich mein, ich will ja nicht den Moralapostel spielen – jeder trinkt solche Sachen immer mal wieder und in Maßen ist es ja auch vollkommen okay – aber Kinder unter 3 Jahren brauchen doch echt noch einmal einen ganz anderen Schutz vor solchen Dingen – und in Maßen heißt nicht, in der Nuckelflasche, die ununterbrochen zwischen den Zähnen  hängt. Wie auch immer – ich war zumindest schon einmal sehr froh darüber, dass sich endlich mal jemand für meine Meinung interessiert hat und vielleicht auch für das Wissen, dass ich mitbringe – allein dadurch, dass ich aus einem anderen Land komme und eben auch seit zwei Jahren im Studium bin.

Ein schrecklicher Tag


Im Moment habe ich mit meinem Projekt zu tun - eine kleine Forschung zum Thema „Erziehungsziele und –maxime“. Ich möchte also der Frage nachgehen, welche Ziele und Grundsätze in der Erziehung den Eltern und Erzieherinnen in Westside besonders wichtig oder auch weniger wichtig sind. Die Ergebnisse würde ich dann gerne mit Studien aus Deutschland vergleichen und auch sehen, ob es Unterschiede gibt, zwischen Eltern und pädagogischen Fachkräften. Eigentlich wollte ich auch die Ergebnisse in Hinblick auf Irish Traveller und Nicht-Traveller vergleichen, da die Irish Traveller eine eigene ethnische Gruppe in Irland darstellen, mit einer ganz eigenen Kultur und eigenen Erziehungswerten, etc. Doch sind die Traveller auch eines der am stärksten diskriminierten Minderheiten der Welt, welches ich unterschätzt hatte.

Letzten Montag passierte es dann, dass mich ein Vater, der zur Traveller Community gehört, lautstark als Rassist beschimpfte, als er sah, dass im Fragebogen die Zugehörigkeit zur Traveller Community abgefragt wurde. Er schrie es quasi durch den ganzen Raum, was zwar eher „als Joke“ gemeint war, nach der Interpretation der anderen, jedoch alles andere als lustig war. Er rief dann auch nochmal zu einer Kollegin von mir: „LINDA, DID YOU HEAR THAT, SHE’S A RACIST!“ und dann durch den ganzen Raum weiter: „YES I’M A TRAVELLER – DID EVERYONE HEAR THAT? I’M A TRAVELLER AND I’M PROUD!“ Er lachte zwar dabei, aber es war irgendwie mega zynisch und schrecklich und ich merkte, dass sich auch seine kleine Tochter immer mehr Richtung Ausgang bewegte und sehr verängstigt aussah, was mir unfassbar leid tat. Ich war ziemlich fassungslos von dieser Attacke und fühlte mich einfach nur elendig. Ich versuchte zwar, mich bei der Arbeit zusammen zu reißen, dennoch habe ich gefühlt von 12:30h an, als das passiert war, bis spät abends nicht mehr aufgehört zu heulen und habe den Tag als einen der schlimmsten Tage meines Lebens in Erinnerung. Rassisten sind einfach die Menschen, die ich am meisten verabscheue und ich hatte mir im Vorfeld so viel Mühe gegeben, niemandem auf den Fuß zu treten, weil ich schon wusste, dass es ein sensibles Thema war. Ich hatte Bücher gelesen über die Travelling Community und viel recherchiert, aber ich war trotzdem viel zu naiv herangegangen. Ich dachte, ich könnte mit der kleinen Forschung vielleicht beweisen, dass es zwischen den Gruppen gar keine so großen Unterschiede gibt und so das ein oder andere Vorurteil beiseite räumen. Doch es war viel zu naiv von mir zu glauben, ich könnte mich als „Außenstehende“ in diese Befindungen einmischen und irgendetwas verändern. Mir war nicht bewusst, wie stark die Diskriminierungen tatsächlich einfach jeden Tag hier präsent sind, und dass dies alles eher „unausgesprochen“ passiert, sodass man das Wort „Irish Traveller“ quasi gar nicht erst in den Mund nehmen darf.

Als dieser Vater weg war, bekam ich erst noch einen Anschiss von der Gruppenleitung, dass ich im Fragebogen an einer Stelle eine ungünstige Übersetzung gewählt hatte und ansonsten sagte, bis auf Joanne, erst einmal lange niemand etwas dazu, obwohl fast das komplette Team im Raum war, als das passierte. So habe ich mich einfach nur mega schlecht gefühlt, für das, was ich ausgelöst hatte, auch da ich nicht wusste, was die anderen wohl darüber denken mögen. Erst nach und nach kamen Leute zu mir, die dann meinten, dass ich mir keine Gedanken machen soll, da dieser Vater ein total schrecklicher Typ ist, der immer einen Grund sucht, Streit anzufangen und zu allem einen blöden Spruch macht. Sie meinten auch, dass er es wahrscheinlich überhaupt nicht ernst meinte. Eine Kollegin hatte sogar das Gefühl, er sei total betrunken gewesen und überhaupt nicht bei Sinnen. Sie meinten dann also, dass es keinen Wert hat, was er meinte. Ich entschied mich dann aber an dem Tag noch dafür, diese brenzlige Frage aus dem Fragebogen zu nehmen – denn auch wenn es von dem Vater nicht ernst gemeint war – hinter jedem Spaß steckt auch etwas Wahres und es hat mir gezeigt, wie krass sensibel dieses Thema einfach ist und wie ich es unterschätzt hatte.

Die Iren wissen glaube ich auch nicht, wie schlimm es ist, mich als Deutsche als Rassistin zu beschimpfen – manche Iren sagen selbst von sich „Ja ich bin Rassistin, ich hasse Traveller!“ und das ist dann wohl okay. Auch kam tatsächlich von meiner Kollegin der Spruch „Man sollte diesen Kerl doch in die Gaskammer stecken“ und die Leute lachen ganz normal darüber, während ich nicht fassen kann, was hier gerade geredet wird und was hier überhaupt abgeht. Habe natürlich versucht, den Leuten zu erklären, was dieses Thema für jemanden aus Deutschland bedeutet und auch, dass es für mich einfach das Schrecklichste ist, das man zu mir sagen könnte. Gestern erst hat mich dann auch meine Chefin auf die Situation angesprochen, aber sie hat mich auch beruhigt und eher unterstützt. Sie hatte mich nicht eher darauf angesprochen, da die anderen Mädels meinten, man solle das Thema besser nicht mehr erwähnen, weil es mich so extrem getroffen habe. Ich war sehr froh, dass sie es mir so sagte, weil es kein gutes Gefühl ist, nicht zu wissen, was die Chefin über diese Situation denkt. Naja, dieser Vater hat nie wieder etwas dazu gesagt und im Nachhinein glaube ich auch, dass es nur ein ziemlich dummer Spruch war, aber trotzdem tut es mir unglaublich leid, dass ich jemandem aus der Traveller Community nun selbst das Gefühl der Diskriminierung gegeben habe, egal wie es rational zu verstehen gewesen wäre – ich hab‘s einfach ziemlich vermasselt und werde da noch ein Weilchen dran zu knabbern haben. So viel zu diesem schrecklichen Kita-Tag.

Es weihnachtet

Sooo kann ich den Eintrag jetzt natürlich nicht beenden, daher noch eine erfreuliche Aussicht: Morgen findet wieder eine kleine Parade in der Innenstadt statt, die glaube ich zur Eröffnung der Weihnachtszeit gedacht ist und dann werden um 18 Uhr die Weihnachtslichter in der Stadt angeschaltet und der Weihnachtsmarkt wird eröffnet. Galway ist mit Dublin glaube ich die einzige Stadt in Irland, die einen Weihnachtsmarkt hat und ich freu mich unglaublich auf den Beginn der weihnachtlichen Zeit, da ich die dunkle Jahreszeit ansonsten sehr ermüdend und schwer finde. Auch wenn die Weihnachtsdeko hier nur so vor Kitsch und Übertreibung strotzt, freu ich mich auf jedes Lichtlein, dass das Dunkle etwas erhellt und zum Leuchten bringt.

So far so good! Alles Liebe an euch und euch natürlich auch einen schönen Beginn der Weihnachtszeit! <3


p.S.: Sorry für die Überlänge!!

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